Das Schwein von Tzununá
Manchmal braucht es einfach einen Tapetenwechsel.
Nach Wochen in San Marcos droht uns langsam der Lagerkoller. Umso besser klingt Katjas Vorschlag, eine kleine Wanderung nach Tzununá zu machen, dem Nachbarort am anderen Ende der Bucht.
Dort, sagt sie, gibt es eine Ziegenfarm.
Bio-Milch. Joghurt. Käse. Eier.
Das reicht als Argument völlig.
Der Weg führt am See entlang und dann steil den Hang hinauf. Gegen neun Uhr morgens erreichen wir den Ortseingang von Tzununá. Die Sonne steht schon hoch, die Kinder laufen etwas langsamer als zu Beginn.
Da wir den genauen Weg nicht kennen, steigen wir schließlich in zwei Tuktuks. Zehn Minuten später rumpeln wir über eine staubige Piste und halten vor einem Tor.
Dahinter liegt die Granja Tz’ikin.
Noch bevor wir richtig angekommen sind, läuft uns ein Mann entgegen. Neal Hegarty, stellt er sich vor. Ein großer, wettergegerbter Ire, der hier zusammen mit seiner Frau Adriana aus Kolumbien und seinem Freund Jeremy aus Massachusetts eine kleine Permakultur-Farm aufgebaut hat.
Eigentlich ist er gerade auf dem Sprung.
Ein Baumpflanzprojekt wartet. Neal unterstützt Bauern aus der Umgebung dabei, ausgelaugte Felder wieder fruchtbar zu machen. Zu viele Jahre Mais- und Kaffee-Monokulturen haben den Boden hier hart und brüchig gemacht.
Aber dann bleiben wir doch länger stehen.
Und schließlich führt Neal uns über das Gelände.
Unter dem Wohnhaus leben die Ziegen.
Als wir den Stall betreten, drängen sie sich neugierig an die Tür – und nutzen die Gelegenheit sofort zur Flucht. Zwei der Tiere schießen zwischen unseren Beinen hindurch ins Freie, dicht gefolgt von lautem Kinderjubel.
Überall auf der Farm greifen Dinge ineinander.
Der Gemüsegarten wird mit Quell- und Regenwasser bewässert. Die Tiere liefern Kompost für die Beete. Kaffeebohnenschalen heizen eine neu gebaute Schwitzhütte aus Lehm und Bambus. Aus der Asche entsteht Aktivkohle, der Kaffeesatz aus dem kleinen Café wird später als Peeling benutzt.
Ein Kreislauf.
Wenig Abfall. Viel Improvisation.
Die Kinder interessieren sich allerdings weniger für Permakultur.
Sie haben ein anderes Highlight entdeckt.
Das Schwein.
Es liegt im Schatten eines Baumes und betrachtet uns mit einem Blick, der gleichzeitig neugierig und vollkommen gleichgültig wirkt.
Adriana erzählt, wie es hier gelandet ist.
Ihr Hund habe es bei einem Spaziergang angeblich „angefallen“. Der Besitzer des Schweins bestand darauf, dass sie es nun kaufen müsse.
Seitdem lebt es hier.
Ein Teil der Farm. Teil des Kreislaufs.
Als die Kinder ein Stück weiterlaufen, lehnt sich Adriana zu uns herüber.
Am kommenden Wochenende, sagt sie leise, feiern sie hier Geburtstag mit Freunden.
Und dann wird das Schwein wohl auf dem Tisch landen.
Als wir später mit unseren Einkäufen den Rückweg antreten, reden die Kinder immer noch über die Ziegen.
Nicht über das Schwein.
Manchmal ist es gut, wenn Erwachsene ein paar Dinge einfach für sich behalten.