Red and Yellow Kills a Fellow

Wir stehen in Tikal zwischen Bäumen und alten Steinen. Die Kinder tragen Rücksäcke mit Proviant und ihre Cowboyboots. Immer dichter wird der Wald, bald ist der Weg kaum noch als solcher zu erkennen. Mal führt er über freigelegte Mauern, mal verschwindet er einfach im Dschungel. Der Boden ist weich, riecht nach feuchter Erde. Aus der Ferne dringt das tiefe Brüllen der Affen herüber.

Oliver bleibt stehen. „Da.“

Zwischen Laub und Erde liegt eine kleine Schlange. Vielleicht 25 Zentimeter lang. Rot, gelb, schwarz gestreift. Sie bewegt sich kaum. Sieht fast künstlich aus.

Ich mache ein Foto. Oliver filmt. Die Kinder stehen ein paar Meter entfernt, mit der Hand gebe ich ihnen Zeichen, zurückzubleiben. Niemand sagt etwas.Dann gehen wir weiter.

Später zeigen wir das Video einem Guide. Er schaut kurz hin, nickt.

Korallenschlange.

Hochgiftig.

„Red and yellow kills a fellow.“

Er sagt es, als wäre es nichts Besonderes. Auf meine Nachfrage zuckt er mit den Schultern. Ein Gegengift gebe es vielleicht am Eingang. Sicher sei das aber nicht, und der Weg ist weit. Vielleicht zu weit.

Wir schlucken. Nicken. Und gehen weiter, als wäre nichts gewesen.

Der Weg sieht aus wie vorher. Die gleichen Steine, die gleichen Wurzeln, das gleiche Laub. Aber unser Blick ist ein anderer. Unsere Schritte vorsichtiger. Wir bleiben öfter stehen.

Später sitzen wir auf der Gran Plaza im Schatten. Menschen laufen über die freien Flächen, machen Fotos, schauen hinauf zu den Tempeln. Alles wirkt ruhig.

Doch das Unterholz lebt.

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Papier, Stempel, Papierzahnspange

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Das Schwein von Tzununá