Papier, Stempel, Papierzahnspange
Der Copyshop ist klein, stickig und wirkt, als hätte er schon bessere Tage gesehen. Ein alter Kopierer steht in der Ecke, daneben ein handgeschriebener Zettel mit Preisen, die nichts mit der Realität zu tun haben. 20 Quetzales - mehr als zwei Euro - für ein paar Kopien. Wucher, aber alternativlos. Ich halte unsere Pässe, den Fahrzeugschein und den Führerschein fest, während der Mann hinter dem Tresen die Blätter einzeln einlegt. Seite für Seite. Es dauert. Draußen wartet der Zoll. Und ohne diese Kopien geht hier gar nichts.
Dabei stehen wir eigentlich schon fast auf der anderen Seite. „Goodbye Belize“ liegt hinter uns, die Ausreise ist erledigt, die letzten Belize-Dollar sind ausgegeben. Die Kinder haben sich längst eingerichtet: Vincent mit Buch, Marlene im Gespräch mit Beamten, die sie freundlich begrüßt, als wären es alte Bekannte. Grenze können sie inzwischen.
Was wir unterschätzt haben, ist nicht der Grenzübertritt. Sondern das System dahinter.
Auf der guatemaltekischen Seite beginnt alles erstaunlich freundlich. Ein Mann mit Papierzahnspange und ein junger Kollege begleiten uns durch die Gebäude, erklären geduldig jeden Schritt. Formulare, Stempel, Unterschriften. Alles wirkt organisiert. Bis es das nicht mehr ist.
Denn das Auto fehlt noch. Und dafür braucht es Kopien. Viele Kopien. Warum diese nicht einfach im Zollgebäude gemacht werden können, wo ein Kopierer steht, bleibt offen. Also gehen wir in den Copyshop nebenan, zahlen, warten, gehen zurück, lassen stempeln.
Die Menschen bleiben dabei durchweg freundlich. Jeder fragt, woher wir kommen, wohin wir wollen, wünscht uns eine gute Reise. Die Beamten begrüßen sich untereinander mit Küsschen auf die Wange und unterhalten sich, während sich vor den Schaltern eine Schlange bildet. Zeit scheint hier ein flexibles Konzept zu sein. „Ahorita“ eben.
Schließlich halte ich das entscheidende Papier in der Hand. 160 Quetzales Gebühr. Zu bezahlen nicht hier. Sondern bei einer Bank in der nächsten Stadt.
Ich steige mit Marlene in Herrn Turtur. Da klopft es an die Tür. Der Mann mit der Papierzahnspange. Wir dürften auf keinen Fall losfahren, erklärt er freundlich. Ohne bezahlte Gebühr und Aufkleber würde die Polizei das Fahrzeug sofort beschlagnahmen.
Also bleibt nur eine Option. Fußmarsch bei 40 Grad. Oder 25 Quetzales extra. Dann könne man die Gebühr auch hier im Copyshop bezahlen.
Kopfschüttelnd entscheiden wir uns für den Copyshop.
Zwei Stunden später sind wir durch. Ohne dass sich jemals jemand wirklich für das Fahrzeug interessiert hätte.
Direkt hinter der Grenze wartet die nächste kleine Überraschung. Eine Brücke. Fünf Euro Maut. Warum genau wir zahlen müssen und andere nicht, bleibt unklar. Wir zahlen trotzdem. Diskussionen fühlen sich an diesem Punkt wie eine schlechte Investition an.
Hinter Melchor de Mencos beginnt Guatemala.
Und irgendwie haben wir das Gefühl, dass wir schon mittendrin sind.